David-Octavius-Hill-Medaille und Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen 2005

Bernhard Prinz

Die Deutsche Fotografische Akademie (DFA) verleiht in diesem Jahr die David-Octavius-Hill-Medaille an Bernhard Prinz. Die Ehrung findet alle drei Jahre statt und ist verbunden mit dem Kunstpreis der Stadt Leinfelden-Echterdingen, der mit 5000 Euro dotiert ist.

Zur Jahrestagung der DFA (15. bis 17. April 2005) wird eine Ausstellung mit Arbeiten unseres Preisträgers im Foyer der MHZ Hachtel GmbH in LE-Musberg gezeigt.

Mit Bernhard Prinz hat die Deutsche Fotografische Akademie einen Künstler ausgezeichnet, der konsequent die fiktionalen Aspekte des Mediums auszuloten weiß und damit die künstlerischen Dimensionen der Fotografie erweitert hat. Die meisten seiner Bilder entstehen aus Inszenierungen vor der Kamera. Und ebenso häufig sind diePräsentationen der Bilder Inszenierungen von Inszenierungen. Eine bedeutende Rolle spielt das Verhältnis von Sprache und Bild. Die Titel seiner Bilder suggerieren Kontexte, die Dinge und Menschen alltäglicher Erfahrung entziehen und sie in Symbole oder Allegorien verwandeln. Die Vorbilder zu den Inszenierungen findet Prinz vornehmlich in der Porträt- und Stilllebenmalerei früherer Kunststile. Seine künstlerische Position wird dadurch ambivalent. Prinz konfrontiert Pathosformeln der Vergangenheit mit zeitgenössischen ästhetischen Konzepten, um zu verführen und die Verführung als inszeniert zur Disposition zu stellen. Dabei impliziert der schöne Schein die Strategie seiner Entstehung und seiner Demontage. Auf diese Weise setzt Prinz seine Inszenierungen in Konkurrenz zu Bildern wie wir sie beispielsweise aus der Werbung und Mode kennen, bietet aber im selben Moment die Plattform ihrer kritischen Reflexion.

Seit 2004 hat Bernhard Prinz eine Professur für Experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule Kassel.

(Manfred Schmalriede, Präsident der deutschen Fotografischen Akademie)

Anna-Catharina Gebbers über Bernhard Prinz:

Kühl und ernst scheinen diese erhabenen Geschöpfe dem Betrachter direkt in die Augen zu blicken. Wie Wesen von einem anderen Stern und doch irgendwie vertraut. Die Arbeiten von Bernhard Prinz sind anrührend und abweisend zugleich. Das Licht, die Schönheit der Porträtierten, dieAtmosphäre - alles zeugt hier von Haltung, von Stil, von Glamour, ja von Coolness. Cool ist, was sich stolz und unabhängig präsentiert, kontrolliert, sachlich, ernst, distanziert und trotzdem emotional, aber niemals pompös. Man muß das Spiel der Zeichen beherrschen, um cool zu sein. Stil ist die Kunst der Kombination. Auswählen, Zitieren, Weglassen, Hinzufügen. Stil definiert eine Haltung und kommuniziert sie. Hier gehen Realismus und Abstraktion ineinander über, denn erst die Verdichtung erweckt Interesse und regt an. Was ist schon langweiliger als die Wahrheit?

(Auszug aus einem Text, der zuerst im Artist Magazin Nr. 42 erschienen ist und jetzt vollständig im Bulletin der deutschen Fotografischen Akademie nachzulesen ist.)

Bernhard Prinz wurde 1953 in Fürth geboren. Er studierte Kunstgeschichte an der Uni Erlangen und von 1976 bis 1981 freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Seine künstlerische Arbeit wurde seit 1984 durch viele Stipendien und Preise gefördert, wie z.B. durch das Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium, Bonn und das Villa Massimo Stipendium, Rom.

Nach langer Lehrtätigkeit an der Universität Essen hat Bernhard Prinz seit 2004 eine Professur für Experimentelle Fotografie an der Kunsthochschule Kassel.

Seine ganz eigenständige fotografische Bildsprache hat er seit den 80er Jahren in vielen nationalen und internationalen Ausstellungen einem breiten Publikum vorstellen können. Schon 1988 zeigte die Serpentine Gallery in London eine Einzelausstellung mit seinen Arbeiten. Präsentationen seiner Fotografie u.a. in der Galerie Sten Eriksson, Stockholm; der Deweer Art Gallery, Eindhoven; der Wiener Secession, der Galerie Thaddaeus Ropac, Paris, der Galerie Franz Paludetto, Turin und Kennedy Boesky Photographs, New York, haben seinen internationalen Ruf begründet.

Kontinuierlich repräsentiert wurde er u.a. von der Produzentengalerie Hamburg, der Galerie Reckermann in Köln und der Galerie Bernhard Knaus in Mannheim.

Bernhard Prinz war an ganz bedeutenden Ausstellungen beteiligt, so z.B. bei der Dokumenta 8 in Kassel; bei In Between and Beyond, The Power Plant, Toronto und bei Photography in Contemporary German Art, Walker Art Center, Minneapolis. Das künstlerische Schaffen von Bernhard Prinz gliedert sich in Werkgruppen, wie z.B. „Epidemien“ 1995/2000, „Blessur“ 1996–1999, „Ikonen“ 1996-2001, „Krux“ 1996 – 2002, „Parvenü“ 2000. Zu vielen von diesen Serien sind auch Publikationen erschienen.